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Los geht es

Strecke #1 Frankfurt – Kassel

Meine letzte Reise mit dem Zug war von Offenbach nach Bad Malente. Das ist schon wieder gut sechs Jahre her, damals unter nicht ganz so schönen Umständen.

In Bad Malente befindet sich die Curtius Klinik, eine Psychosomatische Klinik. Mein Aufenthalt dort war auf meine Erschöpfungsdepression zurück zuführen. Wahrscheinlich ist das einer der Gründe warum ich Jahrelang nicht mehr mit der Bahn reiste.

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Die Reise fängt mit warten auf den ICE 1196 in Frankfurt Süd an. Der Wind pfeift kalt über den Bahnhofssteg. Die meistens mitreisenden warten unten am Fuß der Treppe, die hoch zum Bahnsteig führt.

Der ICE kommt pünktlich und ich freue mich, das die Reise problemlos anfängt.

Kleiner Funfact, der ICE in dem ich reise hat kein WLAN, einer von zwei noch übrigen ICEs in Deutschland. Ich würde das jetzt mal eine spezielle Art von Glück betiteln. Wie hoch ist denn die Chance gerade einen von den zwei Zügen zu erwischen? So wurde es mir vom Boardpersonal erzählt, welches überaus freundlich war.

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Ich bin wirklich gespannt auf Hamburg, vor allem auf Altona/Ottensen. Ottensen soll ein ähnlich interessantes Viertel sein, wie das Nordend in Offenbach. Im 19 Jahrhundert war Ottensen ein Industrieviertel, was jedoch in den 1960er Jahren mehr und mehr veränderte. Es begann ein Strukturwandel und vom klassischen Arbeiterviertel, verwandelt es zu einem Viertel mit einer breiten Mittelschicht, Akademiker und einem aktiven Nachtleben – laut Reiseführer und Wikipedia.

Kurz nach dem der ICE1196 seinen ersten Halt in Fulda absolvierte stoppte er mit sanfter Bremsung und über die Boardlautsprecher quäkte eine nasale Stimme, “Durch ein…”,”…kommt es zu 50 Minuten Verspätung”.

Etwa eine viertel Stunde später knackte es erst im Lautsprecher und dann kam die Durchsage, die den Fahrgästen Mitteilte, dass es sich nun um eine Verspätung von 90 Minuten handelt. Danach hieß es das der Zug wieder zurück nach Fulda fährt.

Einige Minuten später die nächste Meldung, “nach neusten Erkenntnissen fahren wir jetzt doch direkt weiter nach Kassel”.

Ich sah das ganze recht entspannt, vor allem, als das Boardpersonal angefangen hatte die Zettel auszuteilen, in denen man seine Fahrgastrechte gegenüber der Bahn geltend machend konnte.

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Strecke #1 Kassel – Hamburg ICE
Glück im Unglück, dachte ich mir, als ich dann in Kassel endlich in einen Zug in Richtung Hamburg eingestiegen bin. Mein Anschlusszug, den ich hätte nehmen sollen war schon lange weg. Der aktuelle ICE fährt direkt nach Hamburg Altona, was wiederum mein Glück ist, so spare ich mir noch mal den Weg von Hamburg HbF nach Altona.

Dieses Bahn-Wlahm (WLAN) ist ja schrecklich, einen Tweet mit Bild raus in die Welt zu entlassen, 10 Minuten und das in der ersten Klasse. Selbst mein olles 3G im Handy ist schneller.

 

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Die Passagiere in dem von Plastik protzenden Abteil zucken kurz zusammen, als ein Feedbackschleife, pfeifend eine Durchsage ankündigt. “Liebe Gäste des ICE576, wir müssen Ihnen mitteilen, dass wir nicht Hamburg Altona halten, sondern in Hamburg Hauptbahnhof”, ein heftiges durchatmen der “Gäste” ist zu hören. Aktuell würde ich die “Gäste” eher “Geisel” nennen, wären es Gäste hätte man noch eine Entscheidungsmöglichkeit, dies ist ja nicht gegeben, man ist ja der Situation ausgesetzt.

Die meisten der Familienväter und einige der zuvor noch am Laptop eifrig schaffenden stehen unvermittelt nach der Meldung auf und laufen mit versteinerter Mine in Richtung Bistro. Die meisten kamen nach einigen Minuten wieder mit einem Bier in der Hand. Eine Entscheidung die ich später gut nachvollziehen kann.

Um mir die Zeit zu vertreiben wollte ich dann per Onleihe mir die TAZ herunterladen, 19MB, eigentlich eine Datenmenge, die heute keinen mehr jucken sollte. Zu Zeiten von einem 486er waren 19MB noch etwas Handfestes, aber heute? Selbst meine kleine Fuji Kamera schreibt die RAWs Bilder mit mehr als die doppelte Menge an Daten. Nach Sinnlosen weiteren Minuten, in dem ich einem Ladebalken zu gesehen habe, das er sich bewegt, bewegte ich mich selbst in Richtung Bistro Abteil – Bier, jetzt und sofort.

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(Das klappte dann auch recht unspektakulär, ich glaube das Boardpersonal sind auf solche durch und durch genervten Mitfahrenden geschult)

Nachdem der ICE in Hamburg eingefahren ist, verlief der Rest mit Ankunft im Appartement recht genügsam, vor allem so entspannt, wie ich es mir gewünscht habe.

 

 

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