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Küfa – Küche für alle

Eine Übernahme meines Artikels für HalloFrankfurt.de

Hallo Nachbarn,
habt Ihr eigentlich schon mal unschöne Lebensmittel gegessen? Nicht die, die bereits verarbeitet worden sind und in Plastikverpackungen daherkommen, die eh aussehen als wäre ein Chemiebaukasten ausgelaufen, nein, sondern Gemüse vom Wochenmarkt das angedetscht ist, unverkaufte Brötchen vom Bäcker, die schon ein bisschen hart sind?

Viele würden jetzt die Nase rümpfen und sagen „geh mir fortt” und ohne weiter nachzudenken solche Lebensmittel entsorgen. Jedoch ist das Thema Lebensmittelverschwendung viel zu wichtig, gerade in den Städten Frankfurt und Offenbach in denen eine doch erhebliche Spanne zwischen den Einkommen liegt, in denen Menschen dicht bei dicht wohnen und in denen Mieten mehr als kaum noch tragbar sind und weiter steigen.

Im Schnitt werden im Jahr pro Haushalt um die 109 kg Lebensmittel entsorgt, was umgerechnet nach der Studie „Systematische Erfassung von Lebensmittelabfällen der privaten Haushalte in Deutschland“ im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft ermittelt wurde. (Link 1)

Mir passiert das auch oft genug, dass ich mit Heißhunger einkaufen gehe und während ich durch die Regale laufe – fremdbestimmt – sowie angetrieben von meinem Magen mir jegliche Gerichte vorstelle, die ich kochen könnte. Das Problem daran ist, ich kaufe weniger zielgerichtet und meistens zu viel ein.
Falls Dir das auch so geht, sind wir in schon mal zu zweit und leider kommt das öfter vor, als man denkt, vor allem, wenn man die Zahlen aus der oben erwähnten aus der Presseinformation >>„Restlos genießen“ oder Lebensmittel verschwenden?<< in Betracht zieht: (Link 2)

Screenshot aus „Restlos genießen“ oder Lebensmittel verschwenden?
Screenshot aus „Restlos genießen“ oder Lebensmittel verschwenden?

Wie man anhand der Grafik sehen kann, rangiert direkt hinter “Weil es nicht schmeckt” der Punkt, „Weil zu viel gekauft wurde.“, das ist leider eine sehr traurige Wahrheit, mit der sich jeder auseinandersetzen sollte. Am einfachsten wäre es weniger und gezielter einzukaufen, das wäre ein Lösungsansatz.

Ein anderer Lösungsansatz sind Initiativen wie Foodsharing Gruppen. Diese befinden sich in jeder größeren Stadt in Deutschland. Zu finden sind die meistens über Facebook, da dort Gruppenfunktion den meisten das Leben erleichtert. Eine weitere Möglichkeit der Informationsquelle ist die Webseite www.foodsharing.de (Link 3), hier befindet sich neben den etlichen Erklärungen auch eine Karte (Link 4) mit Lokalen Foodsharing Gruppen sowie Foodsaver.

www.foodsharing.de
441 size-full” src=”https://www.herrwalther.com/wp-content/uploads/2018/07/20180707_foodsharing_DE.jpg” alt=”Screenshot von www.foodsharing.de” width=”914″ height=”988″ /> Screenshot von [/caption]
ÜbÜbersichtskarte zu Foodsharing Gruppen in Deutschland

Wie man anhand der Karte gut erkennen kann, ist die Dichte an Foodsharing Gruppen in Deutschland gut verteilt.
Hinter dem Lebensmittelretten steckt der Verein foodsharing.de e. V., den es seit 2014 gibt. In Deutschland alleine gibt es um die 30.000 Ehrenamtliche Lebensmittelretter (Foodsaver). Das Konzept hinter foodsharing.de e. V. wird in der Wikipedia wie folgt beschrieben.

Bei foodsharing.de werden sowohl von privat zu privat Lebensmittel weitergegeben als auch gewerbliche Lebensmittel abgeholt, um sie über Lagerstellen von foodsharing.de weiterzugeben. Da die meisten Supermärkte in Handelsketten organisiert sind und somit oft für alle Filialen einheitliche Richtlinien verfolgen, tritt die Plattform direkt mit der zuständigen Management-Ebene in Kontakt. Dadurch entstehen zum Teil überregionale Zusammenarbeiten, wie etwa mit der Bio Company. Daneben bestehen viele lokale Kooperationen mit einzelnen Supermärkten oder Bäckereien. Diese werden meist dezentral von Mitgliedern der Community angestoßen.

Auszug aus der Wikipedia (Link 5)

Küche für alle

Die geretteten Lebensmittel werden nicht nur verteilt, sondern mit denen wird auch gemeinschaftlich gekocht und gemeinschaftlich gegessen. In Offenbach zum Beispiel trifft man sich im Stadteilbüro Nordend Link 6, dort findet jeden Dienstag die Küfa statt – che für alle.

Der Ablauf ist recht einfach strukturiert:

(Auszug aus der Terminserie Küche für ALLE mit Foodsharing-Abend Link 7)

Wie jeden Dienstagabend treffen wir uns wieder in einer gemütlichen Runde zum gemeinsamen Kochen, Essen & Trinken und Schwätzen 🙂

  • Ab 17:00 Uhr beginnen wir mit dem Aufbau, danach werden ab 18:00 Uhr die geretteten Lebensmitteln zum Verzehr vorbereitet (die meisten Gerichte sind vegan) und wir fangen damit an zu kochen.
  • Bis 20:00 Uhr bzw. auch mal 20:30 Uhr treffen die Foodsaver mit den geretteten Lebensmitteln ein, die im separaten Raum des Stadtteilbüros aufgetischt werden. Hier könnt ihr euch kostenlos an den Lebensmitteln (zum Mitnehmen) bedienen, so bald der Raum von den Verantwortlichen freigegeben wurde.
  • Auch ab etwa 20:00 Uhr gibt es dann das kostenlose Essen für ALLE. Viele nette Leute und Gebabbel runden meist den Wohlfühlabend ab.

Meine Erfahrung mit der Küfa – Offenbach ist ein sehr guter, auch wenn ich Anfangs ein bisschen skeptisch war, wie das alles so klappt, was für Menschen werden mich dort erwarten? Ja ich hatte Vorurteile, ja ich konnte mir Teils nicht vorstellen, wie das ablaufen soll. Und ist das nicht vielleicht auch eine Stigmatisierung? Wie stehe ich selbst dazu?

Meine Befürchtungen wurden dankenswerterweise schnell aufgelöst, den ich traf alte Bekannte die ich schon über die Initiative der stadtmenschen e.V. Offenbach Link 8 getroffen habe, dann teils Menschen, die ich vom Offenbacher Nordend Wochenmarkt (Das Märktchen Link 9 ) herkenne.

Ich wurde direkt freundlich aufgenommen und lerne Menschen aller Couleur kennen, von Studenten, bis hin zu Familienväter und die Fraktion der rüstigen Rentner nicht zu vergessen. Es ist ein freundliches miteinander.

Wenn die Nahrungsmittel von den Foodsavern angeliefert wird, helfen die meisten gleich mit und nach dem Einräumen der geretteten Lebensmittel betreten die Köche und die Helfer den Lebensmittelraum um nicht nur für Küche Zutaten zusammen suchen, sondern auch sich versorgen. Danach können sich alle anderen nehmen was sie brauchen. Ich persönlich finde diese Art an Aufteilung sehr gut, denn die, die an den Kochtöpfen werkeln, schnippeln und ein mehrteiliges Menü zusammenstellen haben bis zu diesem Zeitpunkt die meiste Arbeit.

Das „Angebot“ der angelieferten Lebensmittel ist immer unterschiedlich, oft gibt es Spenden von Bäckereien und / oder (^/v) vom Offenbacher Wochenmarkt, so wie vielen kleinen Restaurants, Cafés und / oder Geschäften.

Küfa Offenbach | Bilder von HerrWalther

So kann es sein, dass es auch mal etliche Kisten mit Tomaten gibt, so kommt es dann vor, das in der Küche noch spontan eine große Schüssel Tomatensalat gezaubert wird.

Angeliefert werden die geretteten Lebensmitteln von Foodsavern, Personen die sich Ehrenamtlich um diese Aufgabe kümmern. Um Foodsaver zu werden muss man zunächst einen Eignungstest machen, sich dann der Lokalen Foodsaver Gruppe anschließen und dieses wer was wo abholt wird dann in den Gruppen selbstständig verwaltet. Angeliefert werden die geretteten Lebensmitteln von Foodsavern, Personen die sich Ehrenamtlich um diese Aufgabe kümmern. Um Foodsaver zu werden, muss man zunächst einen Eignungstest machen, sich dann der Lokalen Foodsaver Gruppe anschließen und dieses wer was wo abholt, wird dann in den Gruppen selbstständig verwaltet.

Küfa Offenbach | Bilder von HerrWalther

Küfa Offenbach | Bilder von HerrWalther

Die „Küche für alle“ ist nicht nur Essen abholen und Lebensmittel einpacken, nein, es ist mehr als das, es ist ein Ort der Begegnung. Denn das zusammen Essen bildet schon Gemeinschaften, man kommt miteinander ins Gespräch, sei es gerade über Essen oder über allgemeine Themen des Alltags. Beim weg putzen der meist veganen Gerichte ist es egal, ob man jetzt in Hemd und Jeans dort sitzt oder in Jogging Hose und leicht durchlöcherten T-Shirt.

Frei nach der Aussage “Wenn Du Hunger hast, so iss, wenn gut Essen willst, so esse in der Gemeinschaft”.

Küfa Offenbach | Bilder von HerrWalther
Küfa Offenbach | Bilder von HerrWalther

Wenn nach dem Abholen von Lebensmittel und nach dem Essen noch Lebensmittel übrig sind, kommen diese in einen Foodsaver Schrank, dieser wird unter anderem auch an anderen Tagen in der Woche befüllt. Aus diesem Schrank kann man sich während der Öffnungszeiten des Stadtteilbüros auch Lebensmittel mitnehmen.

Küfa Offenbach | Bilder von HerrWalther
Küfa Offenbach | Bilder von HerrWalther

Wenn es gegen Ende eines Küfa-Abends zugeht, so wird dann gemeinschaftlich aufgeräumt, denn das Stadtteilbüro muss dann noch geputzt und alles wieder an seinen Platz geräumt werden. Dankenswerterweise bekommt die Initiative Foordsharing Offenbach die Räumlichkeiten kostenfrei gestellt.

Nachdem ich jetzt schon mehrfach an den Küfa Abenden teilgenommen habe, bin ich von der Einsatzbereitschaft der Helfer, der Köche sowie allen anderen die fest hinter der Idee des Foodsharing begeistert.
Das schöne ist, mit solchen Initiativen können wir nicht nur der Lebensmittelverschwendung vorbeugen, sondern auch noch Gemeinschaften bilden – etwas das heute wichtiger ist denn je. Ich habe Menschen getroffen, die sonst nicht kennengelernt hätte.

Alleine schon durch diese Erfahrungen würde ich mir noch mehr wünschen, dass die Idee weiter verteilt wird, dass Menschen die in Urlaub gehen, ihre Lebensmittel bei Foodsavern abgeben und anderen somit helfen und ein Zeichen gegen Verschwendung setzen.

Link Verzeichnis

Nr. Name Link
1 Studie Systematische Erfassung von Lebensmittelabfällen der privaten Haushale in Deutschland https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Ernaehrung/WvL/Studie_GfK.pdf?__blob=publicationFile
2 Presseinformation – „Restlos genießen“ oder Lebensmittel verschwenden? https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Presse/PM192-2015-UmfrageergebnisseGrafiken.pdf?__blob=publicationFile
3 www.foodsharing.de https://www.foodsharing.de
4 www.foodsharing.de / Karte https://foodsharing.de/karte
5 Wikipedia foodsharing.de https://de.wikipedia.org/wiki/Foodsharing.de#Konzept
6 Stadtteilbüro Nordend Offenbach https://www.offenbach.de/leben-in-of/stadtteile-quartiersmanagement/nordend/stadtteilbuero_mathildenplatz/stadtteilbuero-nordend.php
7 Küche für ALLE mit Foodsharing-Abend https://www.facebook.com/events/234823590640138/
8 stadtmenschen e. V. Offenbach https://www.facebook.com/stadtmenschenoffenbach
9 Das Märktchen https://www.facebook.com/dasmaerktchen/

Karte

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Küfa - Küche für alle @ Stadtteilbüro Nordend

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Küfa - Küche für alle @ Stadtteilbüro Nordend 50.107382, 8.750535 Küfa - Küche für alle Dienstags ab 17 Uhr Bernardstraße 63 63067 Offenbach

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